6 Strategien zur erfolgreichen Konfliktlösung
Paul Watzlawick, der große austro-amerikanische Kommunikationsforscher, hat einen sehr klugen Satz gesagt: »Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.« Wenn wir uns Konflikte und unseren Umgang damit anschauen, steckt so viel Wahrheit in dieser Aussage.
In diesem Artikel stelle ich sechs Strategien zur Konfliktlösung vor, die vom Konfliktforscher Gerhard Schwarz konzipiert wurden: Flüchten, Kämpfen, Nachgeben, Delegieren, Verhandeln und Einigen.
Ich möchte Sie für die unterschiedlichen Herangehensweisen bei Konflikten sensibilisieren und motivieren, durch ein bewussteres Vorgehen bessere Lösungen zu finden.
Fliehen
Eine evolutionär sicher sinnvolle Strategie ist die Flucht vor Konflikten. Gerade wenn es um ungleiche Kraftverhältnisse in der Natur geht, ist der Ansatz sicher überlebenswichtig. Aber macht dieses Verhalten in unserem Business-Alltag Sinn?
Die Strategie der Flucht beinhaltet das Ignorieren oder Vermeiden des Konflikts. Personen, die fliehen, versuchen möglicherweise, sich unangenehmen oder schwierigen Situationen zu entziehen. Kurzfristig kann dieser Ansatz vielleicht einmal sinnvoll sein. Er kann Spannungen vorübergehend reduzieren. Zudem gibt er den Parteien Zeit, sich zu beruhigen und alternative Lösungen zu finden.
Mittel- und langfristig ist das Flüchten aber nicht zielführend, denn:
Das zugrunde liegende Problem wird nicht gelöst.
Der Ansatz kann langfristig zu aufgestauten Emotionen und ungelösten Konflikten führen.
Die Beziehung zwischen den Beteiligten wird beeinträchtigt.
Der Fliehende verliert seinen Gestaltungsspielraum
2. Kämpfen
Beim Kampf konzentrieren sich die Beteiligten darauf, ihre eigenen Interessen und Positionen auf Kosten der anderen durchzusetzen. Dieser Wettbewerb kann sich in offener Konfrontation, Argumentation oder sogar Aggression zeigen.Besonders im Unternehmenskontext ist diese Vorgehnsweise, die vielleicht kurzfristig einen klare Lösung bringt nicht zielführend.
Konflikt-Parteien, die immer in den Kampfmodus gehen, lösen die Probleme in den meisten Fällen nur oberflächlich, packen es aber nicht effektiv an der Wrzel an. Zudem produziert es immer Verlierer. Und last but not least: Kampf führt zu zu Verletzungen, Spannungen und negativen Emotionen.
3. Nachgeben
Was hat meine Oma immer gesagt? »Die Klügere gibt nach!« Ist dieser Ansatz richtig? Nicht immer. Personen, die nachgeben, geben ihre eigenen Interessen zugunsten der Interessen anderer auf. Sie können dies bewußt tun, um den Konflikt, der vielleicht keine große Bedeutung hat, zu beenden. Oder um aus strattegischen Gründen die Beziehung zu den anderen zu erhalten. Diese Strategie kann jedoch zu Unzufriedenheit oder Resentiments führen, wenn eine Person das Gefühl hat, immer nachzugeben. Als Dauerstrategie ist der Ansatz nicht geeignet.
4. Delegieren
In festgefahrenen oder stark eskalierten Situationen ist das Delegieren von Konflikten an einen Vorgesetzten, Schlichter oder anderen Außenstehenden ein häufig genutztes Mittel. Hier überträgt eine Person die Verantwortung für die Konfliktlösung an eine andere Person oder eine externe Autorität. Dies kann eine effektive Strategie sein. Alles Beteiligte sollten sich aber darüber bewußt sein, dass sie mit diesem Schritt die Lösung ein Stück weit aus den Hand geben. Zudem kann es dazu führen, dass die beteiligten Parteien sich nicht aktiv an der Lösung des Konflikts beteiligen und die Verantwortung, auch in der Umsetzung, auf andere abschieben.
5. Verhandeln
Die Verhandlungsstrategie beinhaltet den Austausch von Angeboten, Zugeständnissen und Kompromissen, um eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden. Verhandlungen zielen darauf ab, die Interessen und Bedürfnisse aller Parteien zu berücksichtigen und eine Win-Win-Lösung zu erreichen. Dieser Ansatz erfordert einen recht hohen Reifegrad und die Offenheit der Beteiligten. Er erfordert Verhandlungsgeschick und Kompromissbereitschaft.
Verhandlungen können zeitaufwendig sein, bieten aber das Potenzial für kreative Lösungen. Aber Achtung: ein Geschachere und das Verknüpfen von unabhängigen Forderungen (bei dem das Ziel aus dem Fokus gerät) kann zu einem Patt und/oder unguten Gefühlen führen. In solch einer Situation wird das Verhandeln durch das Kämpfen abgelöst.
6. Einigen
Diese Strategie beinhaltet die Suche nach einer gemeinsamen Lösung, die die Interessen und Bedürfnisse aller Parteien berücksichtigt. Der Ansatz erfordert von den Beteiligten den höchsten Reifegrad und ein hohes Maß an Kreativität. Es geht darum, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel ist. Voraussetzung ist: mindestens eine Partei muß diesen Ansatz in Betracht ziehen. Ja, es Kann Zeit und Mühe erfordern, um eine Lösung zu finden, mit der alle zufrieden sind. Am Ende führt die Strategie des Einigen zu einer vertrauensvolleren Zusammenarbeit und stärkt die Beziehungen, denn: es gibt keine Verlierer!
Je nach Art des Konfliktes, seiner Schwere und Eskalationsstufe oder auch seiner Tragweite können unterschiedliche Vorgehensweise geeignet sein. Jede dieser Strategien hat ihre Vor- und Nachteile, und die Wahl der besten Strategie hängt von den spezifischen Umständen, aber auch von den persönlichen Vorlieben und Zielen ab. Und wie so oft: es macht Sinn, einmal aus seiner Komfortzone zu treten und neue Vorgehensweisen auszuprobieren oder unterschiedlichen Methoden zu kombinieren. Viel Erfolg beim Testen!